25. März 2019

Rezension zu "Die Kunst zu verlieren" ~ Alice Zeniter


AutorIn: Alice Zeniter
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2019
Seitenzahl: 560
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3-8270-1373-6
Preis: 25€


Wie lässt man aus dem Schweigen eine verlorene Geschichte neu erstehen? --- Naïma hat es lange nichts bedeutet, dass ihre Familie aus Algerien stammt. Wie soll ihre Verbindung zu einer Familiengeschichte, die sie nicht kennt, denn auch aussehen? War ihr Großvater wirklich ein „Harki“, ein Verräter? Vielleicht könnte die Großmutter es ihr erzählen, aber nur in einer Sprache, die Naima nicht versteht. Und ihr Vater, der 1962 nach Frankreich kam, in eines jener damals hastig errichteten Auffanglager, wo man die Algerienflüchtlinge versteckte, redet nicht über das Land seiner Kindheit...Um mehr zu erfahren, tritt Naïma eine weite Reise an … Dieser Roman ist so lebendig wie ein Fresko. Was heißt es, aus einer Familie zu stammen, die über Generationen Gefangene einer „schlimmen Geschichte" bleibt? Ein Plädoyer für die Freiheit man selbst zu sein, jenseits allen Erbes, aller sozialer oder familiärer Bindungen.


In "Die Kunst zu verlieren" erzählt Alice Zeniter, selber eine Nachfahrin von Harkis, die Geschichte dreier Generationen, die sich mit dem Verlust ihrer Heimat abfinden und sich in einem fremden Land auf der Suche nach ihrer Identität machen. 

Die Geschichte wird dabei aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sie ist sozusagen in drei Generationen geteilt, die jeweils ihrere eigene Geschichte erzählen. Sie beginnt mit Ali, Naimas Großvater, und beschreibt, wie die Algerier damals unter der Herrschaft Frankreichs lebten bis hin zum Kriegsausbruch. Dabei erfährt man vieles über die Machenschaften der Franzosen und Algerier und wie die Algerier generell in ihren Dörfern lebten und welche Traditionen sie haben. Nach der Flucht der Familie nach Frankreich wechselt die Erzählperspektive zu Hamid, der Vater von Naima, der bis zu seinem achten Lebensjahr in Algerien gelebt hat und schließlich in Frankreich aufwächst. 

Was mich an diesem Buch am meisten beeindruckt hat, ist die Objektivität der Autorin. Sie stellt sich nicht auf die Seite einer Konfliktpartei, sondern kritisiert beide gleichviel, sodass der Leser die Möglichkeit hat sich seine eigene Meinung zu den beteiligten zu bilden. 
Auch den Schreibstil der Autorin und die Art, wie sie die Geschichte erzählt, finde ich sehr fesselnd. Sobald man das erste Wort gelesen hat, wurde man zu einem Teil der Geschichte, die Worte verschwommen vor dem Auge und nur die Bilder blieben. Mir gefielen ihre unzensierten Worte, sie beschränkt sich nicht auf schöne Umschreibungen, sondern erzählt alles genau so, wie es ist.  

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, ich war einfach so fasziniert von der Geschichte und wollte unbedingt wissen, was Naima auf ihrer Reise herausfindet. Durch dieses Buch erfuhr ich so viel über den französisch-algerischen Krieg und das nicht wie aus einem Geschichtsbuch, sondern als würde ich selber Teil des Geschehens sein und alles miterleben. 


Eine Geschichte, drei Generationen und die Suche nach der wahren Identität. Ein Buch, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann! 

Vielen Dank an den Verlag, für das Zusenden des Rezensionsexemplars. Die Bereitstellung des Buches beeinträchtigt meine Meinung in keinster Weise! 

Ich vergebe 5/5 Sterne ★

Klappentext und weitere Infos: Piper Verlag

24. März 2019

"Meine Freiheit: Das zu sein, was sie nicht wollen, das ich bin" ~ Mahmoud Darwish



Autorinnen: Sofia Nisrine Srour, Amina Bile und Nancy Herz
Erscheinungsdatum: 11. Februar 2019
Seitenzahl: 168
Verlag: Thienemann-Esslinger/Gabriel
ISBN: 978-3-522-30521-1
Preis: 15€


Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei ist ein bemerkenswertes Buch entstanden, ein mutiges Buch. 

Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft!


Über Schamlos bin ich aus Zufall gestolpert, ich habe ein Bild des Buches auf Instagram gesehen, dabei hat das wunderschöne Cover meine Aufmerksamkeit erregt. Als ich mir dann durchgelesen habe, von was dieses Buch handelt, wollte ich es unbedingt lesen. Schamlos wurde von drei muslimischen Frauen geschrieben, die in ihrem Buch über Tabu-Themen und Probleme reden, die (muslimische) Frauen durchleben müssen.

Wenn ich dieses Buch mithilfe von einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das richtige Wort: Mutig! Während dem Lesen - und nachdem ich das Buch beendet habe - war ich so beeindruckt von den Autorinnen, von ihrem Mut über all diese Themen so offen zu reden und ihre eigenen privaten Geschichten zu teilen. 

Schamlos liest sich wie eine schriftliche Diskussion, die von vielen verschiedenen Zitaten, Bildern und Geschichten unterbrochen werden. Die Geschichten wurden den Autorinnen von jungen Muslimas anonym erzählt und anschließend diskutieren die drei Frauen über die Probleme, die in den Geschichten auftreten, sie erzählen von ihren eigenen Erfahrungen mit und versuchen gemeinsam mögliche Lösungsansätze und Tipps für Frauen und Mädchen zu finden, die selber mal in einer ähnlichen Situation waren. 
Dabei schreiben sie teilweise über Themen, die für andere eigentlich selbstverständlich und normal sind, aber einigen muslimischen Mädchen mehr Leid als Freude bereiten, wie z.B. ins Schwimmbad gehen/ ans Meer fahren, der ersten Liebe begegnen oder einfach nur mal mit Freunden ausgehen. 

Mit vielen Geschichten konnte ich mich identifizieren, wie z.B. die Diskriminierung aufgrund des Kopftuchs o.ä., aber bei anderen Themen kann ich mich nur glücklich schätzen, dass es mir noch nie widerfahren ist, trotzdem müssen es tausende von Frauen fast täglich durchleben. Es ist unglaublich mutig von den drei Autorinnen über diese Themen so offen und ehrlich zu sprechen, die irgendwie totgeschwiegen oder kaum angesprochen werden. 
Schamlos ist so ein wichtiges Buch, ich hoffe, dass es so viele Menschen wie möglich lesen! 


Auch wenn in Schamlos viele Extremfälle angesprochen werden, die einige Menschen vielleicht nicht nachvollziehen können, heißt es nicht, dass sie nicht auftreten. Umso mutiger ist es von den Autorinnen, dass sie trotzdem über diese Themen sprechen. Bitte lest alle dieses Buch! 

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, die Bereitstellung des Buches beeinflusst meine Meinung in keinster Weise! 

Ich vergebe 5/5 Sterne ★


Klappentext: Thieneman-Esslinger


17. März 2019

Rezension zu "Anam Fear - Das Schatten Amulett" ~ Luna Wood


AutorIn: Luna Wood
Erscheinungsdatum: März 2019
Seitenzahl: 183
Verlag: Tagträumer Verlag
ISBN: 978-3-946843-67-2
Preis: 3,99€


Eine unsterbliche Seele, gefangen in einem sterblichen Körper.

Ein zerstörtes Land, das auf seine Retterin wartet.
Eine Aufgabe, die den sicheren Tod bedeutet.
Und eine Liebe, die die Zeit überdauert.

Seit frühster Kindheit wurde Lijana im Kampf trainiert, doch nichts konnte sie auf das Schicksal vorbereiten, das ihr bevorsteht. Ein schöner Fremder entführt sie in seine Welt: In ein Reich, das einst von den Elfen bewohnt war und in dem die Elemente der Quell der Macht sind. Sie zu finden und in dem heiligen Turm zu vereinen ist die Aufgabe der Elementträgerin. Doch bisher hat jede Auserwählte auf dieser Suche ihr Leben verloren.

Lijana wird zur entscheidenden Figur in einem grausamen Spiel um Herrschaft, Liebe und Tod. Während ihrer Reise durch die fremde Welt droht sie mehr zu verlieren, als nur ihr Herz …


Durch ihre Begegnung mit den Draoi Ragnar, der Prinz des Lichtreichs, erfährt Lijana, dass sie die Elementträgerin ist, und dass Ragnar ihre Hilfe braucht, um alle Elemente wieder zu vereinen. Im Lichtreich angekommen wird Lijana schmerzhaft vor Augen geführt, wer ihre Feinde, und wer ihre wahren Freunde sind. 

Die Reise mit Lijana ins Lichtreich und von dort aus in die weiteren Reiche war sehr interessant und an einigen Stellen auch aufregend und spannend. Es war sehr interessant mitzuerleben, wie sie anfangs mit Ragnar auf die Such nach den Elementen geht, und was während ihrem Abenteuer alles geschieht. 

Mir gefiel die Idee der Geschichte wirklich sehr, doch die Umsetzung ist meiner Meinung nach nicht so gut gelungen. Aber für ein Debüt ist es eigentlich ganz in Ordnung. Was ich vor allem gut fand, sind die nicht zu langen aber auch nicht zu kurzen Kapitel. D.h., sie waren nicht zu lang, also hatten höchstens 10 Seiten, und auch nicht zu kurz, sodass man das Gefühl hätte, dass die Geschichte hektisch erzählt wird. Die länge der Kapitel verliehen der Geschichte einen flüssigen Lesefluss, der das Lesen sehr gemütlich macht.
Jedoch fand ich einige Handlungsstränge sehr widersprüchlich, bzw komisch und unnachvollziehbar. Manchmal dachte ich mir: "Lijana, kannst du endlich entscheiden, was genau du willst?!". Ständig hat sie ihre Meinung über alles und jeden geändert, und immer wenn man dachte, sie möge/hasse etwas, dann ist es doch plötzlich das Gegenteil und die Widersprüche beginnen von neuem. 
Was mich am meisten an Lijana genervt hat, ist ihr Charakter bzw ihre Charaktereigenschaften. Man weiß nie genau, ob sie jetzt als starke und selbstbewusste Protagonistin oder eher als das schüchterne, ängstliche Mädchen dargestellt wird. Diese Schwankung zwischen diesen zwei Charakterzügen war sehr irritierend. 

Der Schreibstil der Autorin ist noch ziemlich schwach würde ich jetzt sagen. Man bemerkt an einigen Stellen, auf jeden Fall, dass sie Potential zum Schreiben hat, doch ich glaube, dass sie noch ein wenig Übung braucht. Manchmal ist die Erzählung mehr ein Bericht von dem, was passiert ist als ein richtiger Dialog und die Sätze sind meistens auch zu kurz, dabei wirken sie eher abgehackt. 

Was ich der Geschichte aber lassen muss ist das Ende, das mich schon auf eine Fortsetzung neugierig gemacht hat. Dieses offenen Ende hat mir wirklich sehr gut gefallen!


Für ein Debütroman ist die Geschichte eigentlich ganz in Ordnung, jedoch weist sie einige Schwächen auf. Trotzdem bin ich auf eine Fortsetzung neugierig. 

Ich vergebe 3/5 Sterne ★


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!
Klappentext: Tagträumer Verlag

16. März 2019

My Book Journal - Seitenweise Glück ~ Jenny Boidol & Rebecca Wiltsch [Rezension]



AutorIn: Rebecca Wiltsch, Jenny Boidol
Erscheinungsdatum: 28. Februar
Seitenzahl: 160
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3-551-55764-3
Preis: 12€


Lesen ist wie eine Reise – und jedes Buch ein Abenteuer für sich. Damit die Erinnerungen an die großen und kleinen Schätze im Bücherregal nicht verblassen, bietet das Book Journal viel Platz für Gedanken zur aktuellen Lieblingslektüre. Und mehr noch: Angereichert mit einer Anleitung zum SUB-Abbau, Wunsch- und Verleih-Listen, inspirierenden Zitaten, DIY-Ideen und Rezepten für den ultimativen Lesegenuss bildet das Eintragbuch ein farbenfrohes Sammelsurium rund um das geschriebene Wort. Das perfekte Geschenk für alle, die Bücher lieben!


Der Book Journal von Jenny Boidol und Rebecca Wiltsch ist nicht nur wunder, wunderschön illustriert, sondern beinhaltet auch viele bunte Seiten, auf denen man nicht nur seine Gedanken über bereits gelesen Bücher festhalten kann. 
Neben den Buchsteckbriefen findet man auch viele leckere Rezeptideen, die ich leider noch nicht auspropieren konnte (wenn ich alle mal ausprobiere, werde ich den Rezepten einen eigenen Blogbeitrag widmen!), Zitate, Challenges und sogar kleinen Spielchen und Bastelanleitungen und noch ganz ganz viel mehr. 
Die ersten paar Seiten des Journals sind dem Autor gewidmet, d.h. der Person, die die Seiten ausfüllen wird. 


Man kann nicht nur das Cover zu seiner eigenen Biographie illustrieren, sondern auch noch sein Wunschliste und seinen Stapel ungelesener Bücher festhalten, um immer alles vor Augen zu haben. 


Die Buchsteckbriefe bieten die Möglichkeit, seine Gedanken über ein gelesenes - oder auch abgebrochenes - Buch festzuhalten, zu bewerten und wer möchte, kann auch sein bevorzugtes Ende zur Geschichte schreiben. Und das beste daran ist, dass wenn man das Book Journal auf eine Bewertung eines Buches aufschlägt, das man vor einigen Wochen/Monaten gelesen hat, helfen einem diese Notizen sich daran zu erinnern, um was genau es ging, wie es einem gefallen hat, und wenn man Lieblings Zitate und Szenen hat, dann kann man sie auch noch dazu schreiben! 

Mir persönlich gefallen neben den Steckbriefen die wunderschönen Zitate, die freien Kästchen, in denen man seine Lieblings Zitate reinschreiben und die verschieden Listen, die man ausfüllen kann. Ich hatte nämlich gedacht, dass man in diesem Book Journal nur seine gelesenen Bücher festhalten und war positiv überrascht, dass man damit noch so vieles mehr machen kann (es gibt sogar eine Anleitung, wie man aus altem Papier einen Notizblock basteln kann!). Und je weiter ich darin blätter, desto mehr neue Seiten und Kategorien finde ich, bei denen man viele verschieden Sachen machen kann, wie z.B. eine Kurzgeschichte weiterschreiben, oder Bücher und ihre Verfilmungen bewerten. 


Das Book Journal ist nicht nur sehr praktisch für jeden Buchliebhaber, es ist auch noch wunderschön illustriert. Auf jeder einzelnen Seite bemerkt man, wie viel Zeit und Liebe in dieses Buch gesteckt wurde. Die Seiten sind alle individuell so wunderschön, und wenn ich mal etwas reinschreiben möchte, dann nehme ich mir immer kurz Zeit, um die Illustration auf den jeweiligen Seiten zu betrachten, und dann kann ich erst was reinschreiben. 


Das Book Journal ist ein wunderschön illustriertes Büchlein, das perfekt zum festhalten der Gedanken über Bücher geeignet ist, und das neben den Steckbriefen viele viele verschiedene Kategorien von Rätseln über Rezepte bis hin zu Bastelanleitungen beinhaltet. Außerdem ist dieses Journal sehr praktisch für alle Buchliebhaber und meiner Meinung nach ein wundervolles Geschenk für jeden, der Bücher liebt.

Ich vergebe 5/5 Sterne ★


Bild Quelle und weitere Infos: Carlsen 
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!